15. SONNTAG im Jahreskreis

EVANGELIUM nach Lukas (10,25-37)

Worauf kommt es im Leben an? Worauf kommt es an, damit ich mein Leben nicht umsonst lebe? Ein gutes Familienleben, ein gesicherter Arbeitsplatz, Gesundheit, finanzieller Erfolg, ein langes Leben? All dies ist wichtig, aber ist es auch das alles Entscheidende? Nehmen wir an, ich habe dies alles. Ist mein Leben deswegen gelungen, habe ich deswegen ein ganz erfülltes Leben?

Die Antwort von Jesus klingt verblüffend einfach, fast nüchtern. Ob dein Leben gelingt hängt von deiner Gottes- und Nächstenliebe ab. „Handle danach und du wirst leben.“ Der Pharisäer weiß das, er kennt ja seine Bibel. Wir wissen es ja auch. Wir haben es ja schon oft genug gehört. Aber wie verstehen wir das? Wie tun wir das? Können wir Gott so lieben, wie wir einen Menschen lieben? Ist das die gleiche Liebe?

Unsere Liebe zu Gott entsteht durch ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit. Ich habe diesen Gott, diesen Schöpfer des Weltalls, der so groß ist, dass ich mir nichts Größeres über ihn vorstellen kann, diesen Gott habe ich durch Jesus kennengelernt als einen Gott, der mich, kleinen Menschen liebt, mich annimmt und mein endgültiges Glück will. Das ist so überwältigend, dass ich darauf nur mit Dankbarkeit antworten kann.

Und am besten, am deutlichsten kann ich diese Dankbarkeit ausdrücken und zeigen, indem ich versuche nach seinen Erwartungen zu leben. Wenn wir anfangen zu tun, was wir als seinen Wunsch erkannt haben, fangen wir an, ihn zu lieben. Zum Beispiel, wenn wir unsererseits die lieben, die ihm besonders am Herzen liegen, unsere Mitmenschen. Dann lieben wir Gott. Das wollte Jesus auch sagen: Gottes- und Nächstenliebe sind total miteinander verknüpft, nicht zu trennen. Deswegen heißt es auch im ersten Johannesbrief: „Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen wir einander lieben... Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder, den er sieht, nicht liebt, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht... Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.

Der Pharisäer fragt: „Wer ist mein Nächster?“ Ich kann doch nicht alle Menschen lieben? Darauf antwortet Jesus mit dem Beispiel dieses Samariters. Erstens wurde damals ein Samariter als Feind betrachtet und zweitens geht es nicht um die Gefühle dieses Samariters: Der trifft da auf einen verwundeten, wahrscheinlich blutverschmierten Menschen, was nicht unbedingt erhabene Gefühle hervorruft, eher Abkehr. Entscheidend ist, dass dieser Samariter alles tut, was in seiner Möglichkeit liegt, damit es diesem Verwundeten wieder gut geht. Nächstenliebe besteht aus Taten, die zum Wohl des anderen beitragen.

Aber nicht nur das. Zum Schluss fragt Jesus nicht, ob dieser Samariter Nächstenliebe gezeigt hat, sondern: „Wer von diesen dreien (die da vorbeigekommen sind) hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?“ Es geht also nicht um die Frage „Wer ist mein Nächster?“, sondern es geht darum, sich selbst zum Nächsten zu machen für den, den ich zufällig treffe, und der meine Hilfe braucht, und für den ich dann das tue, was in meine Macht steht, für mich möglich ist, damit es ihm gut geht. Bin ich bereit mich zum Nächsten zu machen, dort wo es mir möglich ist?

Das ist - nach Jesus - das Geheimnis eines gelingenden Lebens in dieser Welt. Am Ende meines Lebens, wenn ich vor Gott stehe und niemandem, auch mir selbst nichts mehr etwas vormachen kann, ist das alles Entscheidende: „Wer war glücklich, dass du gelebt hast?“ Mein Leben kann nicht gelingen ohne diese Liebe: zu Gott und zum Mitmenschen.

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